Freizeit mit Klientinnen und Klienten des Ambulant Betreuten Wohnens

am 11.09. bis 14.09.2017

Das Blaue Kreuz Diakoniewerk unterstützt suchtkranke Menschen. Sein Engagement gilt der Suchtvorbeugung ebenso wie der Hilfe für Suchtkranke, Angehörige und Gefährdete mit dem Ziel, eine gesunde und suchtmittelfreie Lebensweise zu erreichen. Es wirkt in die Gesellschaft hinein, um zu einem breiteren Verständnis von Gesundheit und Lebensqualität beizutragen.


Angebote des Trägers:

Das Ambulant Betreute Wohnen bietet eine langfristige intensive Betreuung für chronisch mehrfach beeinträchtigte suchtkranke Menschen an. Wir betreuen Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung leben, jedoch aufgrund ihrer Suchterkrankung alleine nicht mehr zurechtkommen. Wir bieten ihnen Beratung, Begleitung und Unterstützung in der Gestaltung des Alltags und suchen gemeinsam nach neuen Wegen.

Weitere Angebote des Trägers:
Wöchentliche Freizeitaktivitäten mit Ausflügen, Kochen, Museumsbesuchen, Grillen etc.; Café Extra Dry in Lüdenscheid mit wöchentlicher Gesprächs- und Spielgruppe;
Verankerung des Projektes in den Angeboten:
Viertägige Freizeit im Rahmen der langfristigen intensiven Betreuung chronisch mehrfach beeinträchtigter suchtkranker Menschen als erweiterte Freizeitgestaltung in einer Gruppe


Titel des Projektes:
Freizeit mit Klienten und Klientinnen des Ambulant Betreuten Wohnens

Anzahl der Teilnehmer/innen:
1 Frau und 10 Männer,
2 weitere Klienten konnten wegen eines Rückfalles nicht mitfahren, 1 anderer konnte nicht mitfahren, da er eine Arbeitsstelle bekommen hatte.


Start - Ende des Projektes:
11.09. bis 14.09.2017

Situation zu Beginn des Projektes
Wir betreuen suchtkranke Menschen, die zum Teil bereits suchtmittelfrei, zum Teil noch nicht suchtmittelfrei leben. Einige leiden unter einer Sozialphobie, sie ertragen es kaum, sich länger in Gruppen aufzuhalten. Sie sind ALG-2- oder Sozialhilfeempfänger oder Rentner und von daher nicht in der Lage, sich eine Reise selbständig zu finanzieren. Viele sind aufgrund ihrer Suchterkrankung noch nie oder seit Jahren nicht mehr auf einer Freizeit gewesen.

Projektziele:

  • Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben
  • Training der sozialen Kompetenz, wie Kompromissbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit
  • Fördern der Potentiale und Fähigkeiten
  • Verbesserung der Belastbarkeit
  • Bewältigung von Antriebsstörungen, Interesselosigkeit und Depressionen
  • Gemeinschaftserlebnisse
  • Erleben von Selbstwirksamkeit beim Kochen, Mitgestaltung der Tagesstruktur, Planen von Ausflügen etc.
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Stärkung des Abstinenzwillens und der Abstinenzfähigkeit
  • Erhöhung von Lebensfreude
  • Bewegung in freier Natur
  • Erweiterung des Erlebnishorizontes


Leitung:
2 Betreuerinnen (1 Erzieherin, 1 Diplom-Heilpädagogin)

Aktivitäten
Viertägige Freizeit am Dreiländersee bei Gronau
Übernachtung in Blockhütten auf einem Campingplatz
Gemeinsame Haushaltsführung
Gemeinsames Einkaufen und Kochen

1.Tag: Anreise, Fahrradtour bzw. Spaziergang, Spiele und Tagesauswertung2. Tag: Morgenandacht, Ausflug nach Enschede, Basteln mit Speckstein, Spiele, Tagesauswertung3. Tag: Morgenandacht, Ausflug nach Gronau, Rock n´ Pop - Museum, Schwimmbad, Gemeinsamer Spieleabend und Auswertung der Freizeit4. Tag: Ausflug Burg Bad Bentheim, Essen im Chinarestaurant, Rückfahrt

Freizeitnachtreffen: Besuch Burg Altena
Essen mit Rückblick auf die Freizeit, Planung der nächsten Freizeit



Erreichte Ergebnisse

Ist-Zustand
Die Situation der mitreisenden Klient*innen ist durch folgende Faktoren geprägt:

  • Sie leben zurückgezogen
  • Sie haben keinen Mut und keine Kraft, von sich aus etwas zu unternehmen und am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen
  • Sie leiden teilweise unter Depressionen
  • Es fehlt ihnen an Selbstachtung
  • Sie verfügen über eine geringe Frustrationstoleranz
  • Sie erleben wenig Selbstwirksamkeit
  • Kommunikation fällt ihnen schwer
  • Es fällt ihnen schwer, ihre Bedürfnisse angemessen zu äußern
  • Sie sind nur eingeschränkt kritikfähig
  • Sie versuchen, ihren Problemen mit Hilfe von Suchtmitteln zu fliehen.
  • Einige haben Freizeiterfahrungen mit dem Blauen Kreuz aus den letzten Jahren
  • Veränderungen

Folgende Ergebnisse wurden durch den gemeinsamen Urlaub erzielt:

  • Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben
    z.B. durch gemeinsame Aktionen wie Spieleabend, Schwimmbad, Museumsbesuch,
  • Burgbesichtigung
  • Erweiterung der sozialen Kompetenz wie Kompromissbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit z.B. durch gemeinsames Planen des nächsten Tagesablaufes
  • Gestärktes Selbstwertgefühl z.B. durch gemeinsames Kochen, Fahrradtour
  • Verbesserung der Belastbarkeit
  • Bewältigung von Antriebsstörungen, Interesselosigkeit und Depressionen
  • Gemeinschaftserlebnisse
  • Erleben von Selbstwirksamkeit beim Kochen, Mitgestaltung der Tagesstruktur, Planen von Ausflügen etc.
  • Stärkung des Abstinenzwillens und der Abstinenzfähigkeit
  • Erhöhung von Lebensfreude
  • Bewegung in freier Natur
  • Erweiterung des Erlebnishorizontes


Besondere Vorkommnisse - Unerwartetes:
Positiv: Jeder beteiligte sich an den anstehenden Aufgaben, ohne dass dafür Listen geführt werden mussten. Die Teilnehmer*innen sind aktiv an der Tagesplanung beteiligt.
Die Kommunikation und Hilfsbereitschaft unter den Teilnehmer*innen ist besser als im letzten Jahr.

Negativ: Durch das Regenwetter konnte weniger unternommen werden als geplant. Eine emotional heftige Reaktion eines Klienten, als er an einem Tag zum zweiten Mal seine Jacke suchte, belastete die Gruppe, konnte aber angemessen bearbeitet werden.

Potentialentfaltung:
Das Eingebundensein in die Gruppe, die gemeinsame Tagesplanung und die Gruppenaufgaben förderten die Entfaltung individueller Begabungen und Potentiale, wie etwa bei Bastelarbeiten. Einige Teilnehmer brachten ihre guten Kochkünste ein. Von allen wurde Rücksichtnahme aufeinander gefordert, etwa auf schwache Teilnehmer bei der Fahrradtour oder bei der emotionalen Kontrollverlust eines Teilnehmers.

Nachhaltigkeit – wofür war das Projekt Ihrer Meinung nach sinnvoll?
Die Erfahrung strukturierter Tagesgestaltung, gelungener Kommunikations- und Gruppenprozesse, der Bewältigung von Konflikt- und Stresssituationen durch gemeinsame Reflektion, das Erlebnis von Selbstwirksamkeit und der Entfaltung nicht mehr aktivierter Potentiale stärkt die Abstinenzmotivation bei den Teilnehmer*innen der Reise.

Wirkung und Blick in die Zukunft

Wirkung im Arbeitsfeld:
Die Teilnehmer*innen sind motiviert, weiterhin suchtmittelfrei zu leben.
Sie erzählen ihren Bekannten von der Freizeit. Sie werden zum Vorbild für andere.
Die Arbeit des Blauen Kreuzes wird bekannter. Es melden sich Menschen mit Suchtproblematik und bitten um Unterstützung, um ihr Leben verändern zu können.

Die wöchentlichen Gruppenaktivitäten werden stärker besucht. Wir können Aufgaben delegieren. Die Teilnehmer*innen übernehmen mehr an Verantwortung für sich und für andere. Neben einem alkoholfreien Treff bieten wir seit der Freizeit eine weitere Gruppenveranstaltung als ein niederschwelliges Angebot für Personen an, die es noch nicht schaffen, trocken zu leben.