"Das Theaterprojekt ist aus dem Herzen der Kinder und Jugendlichen geboren"

Besucher und Beteiligte geben Resonanzen...

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oder: Wie aus einer kleinen Anregung ein grOßes Projekt wird! Ausstellungseröffnung am 24. 4.2014 im Rathaus GescherTotal stark! Kreative Suchtselbthile in NRW

Im Rathaus Gescher, ein Ort, an dem innovative Kunst schon seit Jahren Zuhause ist, spricht Bürgermeister Hubert Effkemann treffende Worte zur Eröffnung: "Hier im Rathaus zeigen wir die gelungenen Gestaltungen von suchtkranken Menschen, die sich über das Schaffen von Bildern, Plastiken und Specksteinen von ihrer Sucht lösen konnten. Sie haben über die Kreativität zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden!"

Hubert Effkemann unterstreicht noch einmal, dass nur dann, wenn die Suchterkrankung mit Offenheit ans Licht geholt wird, eine Veränderung im Bewusstsein der Gesellschaft eintreten kann. Überzeugt zeigt er die Ausstellung in den Räumen des Rathauses und bedankt sich bei der Theatergruppe "GrOße Freiheit Gescher" für die gute Zusammenarbeit und Vorbereitung mit einemaußergewöhnlichen Begleitprogramm!

Ein dichtes Netzwerk aus Motivierten

Die Moderationsrunde bot ein Bild eines vertrauten und kompetenten Teams, in dem jedes Mitglied wichtige und eigene Kompetenzen vorwies. 
Leitung, Gruppenmitglieder, Theaterspieler, Theaterpädagoge, Suchtberater und Unterstützer ergeben ein verbindliches Netzwerk, in dem immer neue und kreative Ideen entwickelt werden.

Es ist ein politisches Thema!

Günter Döker, Gruppenleiter im Freundeskreis Gescher und Mitbegründer der GrOßen Freiheit Gescher, systemischer Berater und Mitglied im NRW-Netzwerk "Kinder von süchtigen Müttern und Vätern" gibt nicht nur einen sehr persönlichen Einblick in seine Geschichte als Kind eines suchtkranken Elternteiles mit eigener Erfahrung als Suchtkranker; er stellt insbesondere den Beginn des Theaterstückes "Machtlos" als sehr wesentlich heraus. Die Jugendlichen selbst trugen den Wunsch an ihn heran, von Kind zu Kind, von Jugendlichem zu Jugendlichem Informationen über die eigene Betroffenheit als Kind suchtkranker Eltern zu tragen. Zunächst ausschließlich für Westfalen geplant, wollten die Jugendlichen gegen das Komatrinken anspielen. 
Das Theaterstück spricht eine klare Sprache und ist von überzeugender Wirksamkeit. Der Theaterpädagoge Detlev Seitz begleitet die Jugendlichen, eine Gesprächsgruppe bietet Raum für die eigene Weiterentwicklung.Günter Döker wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für das Thema Sucht: "Es ist ein politisches Thema! Und kein Kinkerlitzchen: Alle sieben Minuten stirbt ein Mensch in Deutschland an seiner Sucht." Das Theater hat heute bundesweite Aufträge und bringt das Thema vielen Betroffenen, Mitbetroffenen und Interessierten nahe. 

Mir bringt es sehr viel, doch es ist schwierig, das Thema in der Schule zu zeigen!

Jannik, ein 17-jähriger Jugendlicher aus einer suchtbelasteten Familie, ist als Lichttechniker zu der Gruppe gestoßen, nachdem sein Klassenlehrer ihn angesprochen hatte. Heute ist er festes Mitglied in der Theatergruppe und fühlt sich dort wohl, hat viel Vertrauen und ist aktiv dabei. Er sieht wenig Chancen, das Theaterstück in seiner Schule aufzuführen, weil er spürt, dass die Offenheit bei den SchülerInnen nicht da ist. Ehrlich spricht er die Schwierigkeiten an, mit den Hemmschwellen in Schulen und Schülerschaft zurecht zu kommen. 
Jannik wünscht sich, dass in Schulen mehr Prävention angeboten wird und dass dort effektiver gearbeitet wird. "Nicht nur reden, sondern mit dem Thema arbeiten", ist seine persönliche Forderung. "Die Aufklärung muss früh einsetzen. Am besten in Klasse 6 oder Klasse 7. Prävention in Klasse 10 wie bei uns an der Schule ist viel zu spät!" 

Das Thema Sucht interessiert mich generell!

Lisa ist aus Interesse am Schauspiel und Thema Sucht zur Theatergruppe gekommen. Eine Lehrerin sprach sie in einem Workshop darauf an – ein Anruf genügte! Sie ist seit 2012 dabei und lebt in einer Umgebung, die dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Durch sie wird deutlich, was es heißt, von Interesse getragen zu sein. Sowohl die Schule als auch die Eltern nehmen daran teil, auch wenn diese vorsichtig damit umgehen. Lisa wollte schon immer Schauspielerin werden und freut sich, dass sie so gut begleitete Erfahrungen machen kann. 
Lisa wünscht sich mehr Aufmerksamkeit und Kontakt mit dem Thema Sucht in der Bevölkerung. "Seitdem ich in der Theatergruppe bin, gehe ich viel bewusster mit Alkohol um und trinke weniger." 

Sucht und Soziales in der Schule – zwingend vorgeschrieben per Gesetz!

Helmut Lanfer ist Gruppenleiter im Freundeskreis Gescher und hat an der Akademie für ganzheitliche Lebens- und Heilweisen eine Ausbildung zum Suchtberater gemacht. Er hat, bevor er selber suchtkrank wurde, jahrelang die Probleme eines suchtkranken Lehrers an seiner Schule erfahren und möchte nun auf das Thema Sucht und Suchtselbsthilfe aufmerksam machen.
Durch das Engagement in den Freundeskreisen und durch die Unterstützung aus seinem Verband ist er zu dem "Arbeitskreis Suchtbrücke Junger Menschen" eingeladen worden, der im Januar 2014 startete und vom Landesverband der Freundeskreise NRW unterstützt wird. Er engagiert sich dort mit seinem Kollegen Dirk Offergeld: "Wir, als Selbst- und Mitbetroffene, holen junge suchtkranke Menschen (...) dort ab, wo sie stehen. Wir wollen ihnen Wege in die Selbsthilfe, in ein Leben ohne Sucht und den sozialen Wiedereinstieg aufzeigen." (Zitat Freundeskreise NRW) Durch die Gruppe hat er Kontakt zu Betroffenen, er bietet seine Erfahrungen darüber hinaus in Fachfortbildungen an. 
Helmut Lanfer wünscht sich neutrale Personen an den Schulen für die Themen "Sucht und Soziales", die per Gesetz vorgeschrieben sind.

Es ist erschreckend, aber genau da setzen wir an!

Dirk Offergeld, der eine Freundeskreis-Gruppe in Gütersloh-Herzebrock leitet, ist Suchtberater in eigener Praxis und arbeitet mit Helmut Lanfer im "Arbeitskreis Suchtbrücke Junger Menschen" zusammen. Prävention bietet er aktiv in Schulen an. Er berichtete von seiner vergangenen Arbeitswoche, in der er drei Klassen 7 betreute. "Vor zwei Jahren habe ich in der Stufe 7 die Dreizehnjährigen gefragt, ob sie Erfahrungen mit Alkohol und Tabak haben, und es zeigten zwei bis drei Schüler auf. In dieser Woche waren es in jeder Klasse 98% der SchülerInnen, die Kontakt mit Suchtmitteln hatten. Es ist erschreckend, aber genau da setzen wir an!" Dirk Offergeld vermisst die Rückendeckung der Lehrerschaft: "Die Lehrer gehen unvorbereitet und mit wenig Informationen in die Präventionsangebote rein", bedauert er. Er wünscht sich eine Aufklärung der Lehrer, bevor er den Schülern Prävention anbietet."Wir möchten den Lehrern konzentriert Informationen anbieten, um effektiver zusammenarbeiten zu können." und "Der Bedarf an Information ist sehr hoch. Unser Eintrag zu dem Thema 'Kindersekt' hatte in kürzester Zeit 14.000 Klicks."

Informationen sind das A und O

Christiane Betting, Stabsstelle Gleichstellung von Frau und Mann, vertritt in der Moderationsrunde die Stadt Gescher. "Ich bin die Erstanlaufstelle für Bürger und Bürgerinnen in allen Problemlagen. Sucht ist immer noch ein Tabuthema. Meine Arbeit besteht darin, Informationen zu geben und an die passende Anlaufstelle zu verweisen. Informationen sind dabei das A und O. Manchmal hat es den Anschein, dass es um Gewalt geht, doch im Hintergrund steht oft das Thema Sucht. Einmal in der Woche – dienstags – kommt Frau Pohlmann von der Caritas zu einer Sprechstunde, in die jeder Bürger und jede Bürgerin ohne Anmeldung kommen kann.
Frau Betting wünscht sich, Stigmatisierungen besser entgegenwirken zu können mit "leuchtenden Vorbildern", die sagen: "Ich stehe dazu!". Sie ist überzeugt, dass es vielen suchtkranken Menschen leichter fallen würde, zu einer Anlaufstelle zu gehen, wenn die Stigmatisierung nicht vorhanden wäre. Durch Vorbilder kann man Mut machen.Um eine positive Ausrichtung früh zu lernen, schlägt sie ein "Unterrichtsfach Glück" vor.

Schulen und Lehrern bessere Möglichkeiten zur Ausbildung geben

Mechtild Döker hat die Probleme in allen Phasen als Ehefrau und als Mutter von Kindern aus einer suchtbelasteten Familie erlebt. Sie unterstützt die engagierte Arbeit ihres Mannes sehr und zieht mit ihm an einem Strang! Sie sieht einen hohen Bedarf innerhalb der Familien, sich kundig zu machen und wünscht sich, dass die Schulen mehr Weiterbildungen für Lehrer zum Thema Sucht zur Verfügung stellen.

Gegen Ende der Moderationsrunde ist ein Freiraum für das Publikum bereitgestellt, umnoch einen Beitrag zu geben.

Die Neugründung einer Gruppe: "Eltern helfen Eltern" wird verkündet!

Ute Turkat-Simon gehört mit zu den engen Mitarbeiterinnen der GrOßen Freiheit Gescher und schließt an die Worte von Mechtild Döker an. "Eltern helfen Eltern" ist eine Gruppe, die an dem Abend der Ausstellungseröffnung startet. Ute Simon-Turkat sieht den Bedarf der Eltern, denen sie einen Ort anbieten möchte, an dem sie ihre Probleme besprechen und mit ihr und anderen Eltern teilen können. "Ich möchte den Eltern mit meinen Erfahrungen zur Seite stehen und hoffe auf Resonanz!", sagt sie und bekommt eine erste Resonanz durch den Applaus der Anwesenden, die ihren Mut schätzen, diese Gruppe insLeben zu rufen.

Kindern und Jugendlichen einmal pro Woche einen geschützten Rahmen anbieten

Maria Brüning, Leiterin der Offenen Ganztagsschule in Heek hat ein persönliches Modell entwickelt, um Prävention anzubieten. "Ich biete Kindern und Jugendlichen einmal in der Woche einen geschützten Rahmen an, wo sie unter sich sein können. Gespräche stehen bei uns im Vordergrund, aber ich biete auch Meditationen, Yoga und Tänze an. Auf diese Art und Weise bekommen die Kinder und Jugendlichen eine kontinuierliche Stütze."

Die klassische Suchtselbsthilfe öffnet sich

Wolfgang Pätsch, Sprecher des Fachausschusses Suchtselbsthilfe NRW, spricht die Neuerungen an, die die klassische Suchtselbsthilfe verändern. "Die alten Angebote laufen sich über kurz oder lang bei den jungen Menschen tot. Die klassische Suchtselbsthilfe öffnet sich und 'macht sich auf die Socken!' Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe Suchtbrücke Junger Menschen, Helmut Lanfer und Dirk Offergeld, schließen sich mit dem Wunsch nach einem stärkeren Miteinander der Verbände im verbandsübergreifenden Raum an. Lore Theis als Vertreterin der Karl Heinz und Hannelore Bösken-Diebels-Stiftung blickt auf die letzten 10 Jahre und kann aus Erfahrung sagen, dass sich eine Menge bewegt hat in der Suchtselbsthilfe durch die neuen, kreativen Methoden. Erika und Herbert Kloster, Gruppenleiter in den Freundeskreisen, weisen auf die Wichtigkeit hin, in den regelmäßig stattfindenden Gruppengesprächen Hilfe zu holen, vor und nachzuarbeiten und ein Angebot für Suchtkranke und ihre Angehörigen zu sein.

Ein Netzwerk, das, klein angefangen, nun immer weitere Kreise zieht, ist das Werk der Menschen, die wir an diesem Abend in Gescher kennenlernen konnten!

Kreativität ist das Markenzeichen – und Kreatives war zu sehen von Günter Döker, der Herzensangelegenheiten in Stein und Speckstein verwandelt.

Herzlichen Dank für den wunderbaren Abend!